Tram im Münchner Norden: sinnvolles Streckennetz entsteht

Stand: PRO BAHN-Post Februar 2022

Ende Dezember wurde der Planfeststellungsantrag für die Verlängerung der Tram 23 von der heutigen Endstation weiter über den Eisenbahn-Nordring und das Neubaugebiet an der Bayernkaserne bis zum Kieferngarten eingereicht. Betrachtet man diese Meldung nur isoliert, so entgeht einem das sinnvolle Tramnetz, das im Norden entstehen wird.

Erweitert wird die Strecke zum Kieferngarten durch die an der Heidemannstraße abzweigende Ost-West-Verbindung bis zur U-Bahn-Station Am Hart. Sobald diese Strecke fertig ist, soll die Tram 23 dann anstelle zum Kieferngarten zur Station Am Hart fahren, und eine neue Linie 24 zwischen Am Hart und Kieferngarten die Verbindung herstellen. Diese neue Strecke ist so attraktiv, dass dort sofort ein 5-Minuten-Takt angeboten werden soll. Bis 2019 war noch geplant, nur einen Schnellbus fahren zu lassen - bei der hohen Nachfrage nicht nur unpassend, sondern hätte auch die Entsieglung mittels Rasengleis im Abschnitt Bayernkaserne-Kieferngarten verhindert.

Laut Beschlussvorlage im Dezember soll die Planfeststellung der Strecke bis Am Hart vorliegen, bevor die Gleise der Linie zum Kieferngarten im Bereich der künftigen Abzweigung verlegt werden, so dass gleich die Weichen Richtung Am Hart mit eingebaut werden können. Derzeit wird die Genehmigungsplanung erarbeitet. Der Auftrag, die Pläne zur Planfeststellung einzureichen (zugleich der Trassierungsbeschluss), soll noch 2022 erfolgen.

entstehendes Tramnetz im Münchner Norden

Das damit entstehende T-förmige Streckennetz wird gemeinsam als „Tram Münchner Norden“ bezeichnet. Sie binden das Neubaugebiet Bayernkaserne mit immerhin 15.000 Einwohnern - halb so viele wie in Freiham - hervorragend in alle Richtungen an.

Von der Station Am Hart führt eine weitere Strecke nach Westen bis zur Schleißheimer Straße und dann nach Süden bis zur heutigen Endstation Petuelring.

Diese drei Strecken gemeinsam bilden eine äußerst attraktive Verbindung von Kieferngarten über Am Hart und den Petuelring Richtung Innenstadt. So attraktiv, dass eine Strecke ab Nordbad nach Süden bis zur Lothstraße nötig ist.

All diese Strecken sind Teil des ÖPNV-Bauprogramms und damit im Mehrjahresinvestitionsprogramm der Landeshauptstadt München.

Ergänzend als Teil des ÖV-Planungsprogramms soll zudem eine Strecke von der Station Am Hart nach Nordwesten bis zum Neubaugebiet Lerchenauer Feld hinter der S1 / Bahnstrecke München-Freising entstehen, bis zur Schleißheimer Straße gemeinsam mit der Tram zum Petuelring. Die Streckenteile westlich von Am Hart werden gemeinsam als „Tram Y-Nord“ bezeichnet.

Für diese Strecke soll 2023 eine Machbarkeitsstudie vergeben, und die Ergebnisse bis Mitte 2024 dem Stadtrat vorgelegt werden.

Das hier entstehende Streckennetz bindet auch den aussichtsreichsten Standort für einen neuen Tram-Betriebshof im Bereich Fröttmaning an. Die Betriebsstrecke dahin kann dann auch bei Fußballspielen als zweite Anbindung des Stadions dienen, mit direkter Verbindung ab Hauptbahnhof.

Die Idee einiger, an der U-Bahn-Station Kieferngarten vorbeizufahren und stattdessen die Endstation komplett nach Fröttmaning zu verlegen, wurde zu Recht verworfen: Für die Fahrgäste ist das Erreichen des Knotenpunkts Kieferngarten wichtig. Eine Fahrt hieran vorbei oder große Fußwege würden die Attraktivität dieser Tram senken - so deutlich senken, dass die Übernahme des Großteils der Baukosten durch Land und Bund entfällt.

Das schrittweise Umsetzen sinnvoller Bausteine ist richtig: damit können die Bürger bald profitieren, und die Tram kann viele der Neubürger schon beim Einzug begeistern. Und das ist der richtige Zeitpunkt, denn bei Umzug werden die Weichen für das künftige Mobilitätsverhalten gestellt. Und die weiteren Streckenteile können dann mit hoher Priorität sukzessive gebaut und in Betrieb genommen werden.

Mit den aktuellen Beschlüssen hat der Münchner Stadtrat ein sinnvolles Liniennetz angestoßen. Der nächste wichtige Schritt im Norden ist, auch den Betriebshof im Bereich Fröttmaning nicht nur zu diskutieren, sondern zu beschließen.

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